«Regeln müssen für ein KMU genauso funktionieren wie für einen Konzern»
Willkommen Daniel Seiler! Der Jurist ist seit dem 1. Oktober Head Legal & Public Affairs und Mitglied der Geschäftsleitung bei Swico. Wir haben Daniel zu seinem Einstand vier Fragen gestellt.
Daniel Seiler verstärkt das Team von Swico als Head Legal & Public Affairs und Mitglied der Geschäftsleitung. In dieser Funktion engagiert er sich für die politischen und rechtlichen Anliegen der Schweizer Digitalbranche, pflegt den Dialog mit Politik, Behörden und weiteren Anspruchsgruppen und steht den Mitgliedern als Ansprechpartner zur Seite.
Daniel, was hat dich überzeugt, die Verantwortung als Head Legal & Public Affairs und Mitglied der Geschäftsleitung bei Swico zu übernehmen?
Ich habe Digitalpolitik bisher aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln erlebt: Beim EDA durfte ich die Cyberdiplomatie der Schweiz mit aufbauen und habe gesehen, wie international um Regeln für den digitalen Raum gerungen wird. Bei KPMG habe ich Unternehmen beraten und gelernt, was Regulierung im unternehmerischen Alltag konkret bedeutet. Beim Bundesamt für Cybersicherheit schliesslich ging es ganz operativ darum, dass Sicherheit nicht nur auf dem Papier funktioniert. Bei Swico kommen alle diese Perspektiven zusammen. Und dass ich hier Recht und Politik unter einem Dach verantworten darf, ist für mich die ideale Kombination, zumal ich als Jurist seit vielen Jahren auch technisch tief in der Materie stecke. Dazu kommt ein Team, bei dem ich schon in den ersten Gesprächen gespürt habe, dass hier mit Substanz und mit Freude gearbeitet wird.
Vor welchen regulatorischen und politischen Herausforderungen steht die Schweizer Digitalbranche aktuell am meisten?
Die Branche erlebt gerade eine Verdichtung der Regulierung, wie es sie selten gab. Der Bundesrat hat erst kürzlich entschieden, ein eigenes Cybersicherheitsgesetz auszuarbeiten, das Anforderungen an digitale Produkte, besonders wichtige Daten sowie Hosting- und Cloud-Anbieter bündeln soll. Bei der künstlichen Intelligenz steht die Umsetzung der KI-Konvention des Europarats an, ergänzt durch freiwillige Massnahmen für die Wirtschaft. Dazu kommen Plattformregulierung, Datenschutz und Regeln aus der EU, die über den Markt bei uns ankommen. Jede dieser Vorlagen mag für sich Sinn ergeben, entscheidend ist aber, wie sie zusammenspielen. Für ein KMU mit zwanzig Mitarbeitenden ist selten die einzelne Regel das Problem, sondern die Summe. Die Schweiz muss nicht jede Regel aus Brüssel kopieren, sie kann es sich aber auch nicht leisten, eine digitale Insel zu werden. Und bei allem Regulierungsdruck dürfen wir die Grundlagen nicht vergessen, also Fachkräfte, ein zeitgemässes Arbeitsrecht und faire Chancen bei öffentlichen Beschaffungen.
Welche Schwerpunkte möchtest du in deiner neuen Rolle setzen?
Mein Leitgedanke ist einfach: Regeln müssen für ein KMU genauso funktionieren wie für einen Konzern. Viele unserer Mitglieder haben weder eine eigene Rechtsabteilung noch ein Public-Affairs-Team und sind darauf angewiesen, dass Swico beides für sie mitdenkt. Deshalb möchte ich Legal und Public Affairs noch enger verzahnen. Was wir politisch einbringen, soll auf den Erfahrungen unserer Mitglieder beruhen, und was politisch entschieden wird, sollen sie rasch und verständlich in ihrem Alltag umsetzen können. Lieber früh am Tisch als spät auf der Barrikade. Inhaltlich bleiben KI und Cybersicherheit zentral, genauso wichtig sind mir aber die weniger glamourösen Dossiers wie Arbeitsrecht, Beschaffung, Datenschutz oder die Frage, was uns Regulierung insgesamt kostet.
Mein Leitgedanke ist einfach: Regeln müssen für ein KMU genauso funktionieren wie für einen Konzern. Viele unserer Mitglieder haben weder eine eigene Rechtsabteilung noch ein Public-Affairs-Team und sind darauf angewiesen, dass Swico beides für sie mitdenkt.
Was möchtest du für die Mitglieder von Swico erreichen?
Unsere Mitglieder sollen wissen, dass ihre Anliegen dort ankommen, wo entschieden wird. Genauso wichtig ist mir, dass sie rechtzeitig verstehen, was auf sie zukommt, und gut vorbereitet sind. Mit der Rechtsberatung, den Merkblättern, den IT-Modellverträgen oder der Arbeitgeberplattform haben wir dafür eine starke Basis. Und sie sollen voneinander profitieren, denn in unseren Circles und Arbeitsgruppen steckt enorm viel Know-how. Ich würde mich freuen, wenn sich noch mehr Mitglieder dort einbringen. Ich bin überzeugt, dass wir unsere Angebote weiterentwickeln können, gerade die KI eröffnet auch einem Verband neue Möglichkeiten, beispielsweise juristisches Wissen zugänglicher zu machen. Welche Angebote das konkret sein werden, möchte ich aber nicht am Schreibtisch erfinden, sondern gemeinsam mit unseren Mitgliedern herausfinden. Deshalb freue ich mich auf viele Gespräche, am liebsten bei einem Kaffee.