KI ist in Schweizer Softwareunternehmen angekommen – klare Regeln fehlen noch
Der Swiss Software Industry Survey 2026 zeigt: Neun von zehn befragte Unternehmen setzen KI in der Softwareentwicklung ein. Bei verbindlichen Regeln, Zuständigkeiten und Erfolgskontrollen sind viele Unternehmen noch nicht gleich weit.
Entwicklung, Design, Analyse und Wartung: In der Schweizer Softwareindustrie wird Künstliche Intelligenz zunehmend entlang der gesamten Wertschöpfungskette eingesetzt. Zu diesem Schluss kommt der neue Swiss Software Industry Survey (SSIS) der Universität Bern im Auftrag von Swico.
Fast 90 Prozent der befragten Unternehmen setzen KI in der Softwareentwicklung ein. Auch Marketing und Verkauf (68,5 Prozent), Führungsaufgaben (60,4 Prozent) und Vertragsmanagement (48,7 Prozent) gehören zu den häufigen Einsatzfeldern.
Dabei bleibt der Mensch in der Verantwortung: Über 80 Prozent der Unternehmen geben an, dass autonome KI-Agenten weniger als zehn Prozent der Arbeit erledigen; bei rund 60 Prozent sind es höchstens fünf Prozent. KI wird damit heute vor allem als Assistenz eingesetzt, etwa beim gemeinsamen Programmieren, beim Erstellen von Spezifikationen oder bei Code-Vorschlägen.
«KI verändert die Softwareentwicklung bereits spürbar. Von einer weitgehend autonomen Produktion sind die meisten Unternehmen aber noch entfernt: KI unterstützt, der Mensch steuert und prüft», sagt Jon Fanzun, CEO von Swico.
Kundschaft erwartet mehr Tempo und tiefere Kosten
Mit dem KI-Einsatz verändern sich auch die Erwartungen der Kundschaft. Im Vordergrund stehen kürzere Entwicklungszeiten und tiefere Entwicklungskosten. Zugleich passen Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen an. Der Wandel ist jedoch noch nicht durchgehend: Rund 70 Prozent berichten von punktuellem Einsatz oder einer strukturierten Nutzung in mehreren Stufen der Wertschöpfung. Eine grundlegende Neugestaltung von Prozessen oder Geschäftsmodellen bleibt seltener.
Die Investitionen in KI steigen deutlich
Die Unternehmen wollen ihre KI-Investitionen in den kommenden Jahren deutlich ausbauen. Die durchschnittlichen KI-Investitionen pro Unternehmen lagen 2025 bei rund 119’000 Franken. Für 2026 erwarten die Befragten rund 199’000 Franken, für 2027 rund 234’000 Franken. Knapp die Hälfte der Ausgaben entfällt auf KI-Plattformen und entsprechende Services. Es folgen die Eigenentwicklung von KI-Lösungen und die Weiterbildung der Mitarbeitenden.
Welche KI-Tools sind im Einsatz?
Am häufigsten genannt werden Claude, ChatGPT und Microsoft Copilot/M365. Die starke Nutzung proprietärer Plattformen macht die Abhängigkeit von wenigen externen Anbietern sichtbar und rückt Fragen der digitalen Souveränität stärker in den Fokus.
KI-Governance ist noch wenig etabliert
Viele Geschäftsleitungen fördern den KI-Einsatz mit Zielen, Standards und strategischen Vorgaben. Weniger konsequent etabliert sind formale Prozesse für die Steuerung von KI-Projekten, Weiterbildungen, Budgetkontrollen und die Messung des Projekterfolgs. Richtlinien, Checklisten und Meldemöglichkeiten für Risiken sind vielerorts vorhanden, greifen aber noch nicht überall zu einem geschlossenen Governance-System ineinander.
Prof. Dr. Jens Dibbern, Studienleiter des SSIS an der Universität Bern, sagt dazu: «Eine systematische KI-Governance gewinnt für die Schweizer Softwareindustrie an Bedeutung, damit sie den Einsatz von KI langfristig verantwortungsvoll und zielgerichtet gestalten kann.»
Margendruck bleibt hoch
Die wirtschaftliche Lage der Branche ist stabil, aber von geringen Wachstumserwartungen geprägt. Die durchschnittliche EBIT-Marge stieg von 6,4 Prozent im Jahr 2024 auf 7,2 Prozent im Jahr 2025. Für 2026 erwartet die Studie einen leichten Umsatzrückgang von 0,26 Prozent; für 2027 ein geringes Wachstum von 0,21 Prozent.
Bei der Beschäftigung wird mit einer leichten Abnahme gerechnet. Die Fluktuationsrate der Mitarbeitenden in der gesamten Branche sank von 15,1 auf 13,4 Prozent.