Swico am WEEE Forum: Wie der Innovationsfonds das Recycling weiterentwickelt
Wie begegnen Recyclingsysteme den regulatorischen Anforderungen und wachsender Komplexität? An der Generalversammlung des WEEE Forums in Malta wurde deutlich: Producer Responsibility Organisations stehen im Zentrum, Instrumente wie der Swico Innovationsfonds sind wichtige Hebel.
Der Austausch mit den europäischen Kolleginnen und Kollegen ist immer wieder sehr interessant und ermöglicht nicht nur Einblicke in Best Practices aus verschiedenen Ländern, sondern auch eine kritische Reflexion über unsere Arbeit in der Schweiz. Mit einer sehr breiten Marktabdeckung, integrierten Audits für alle Akteure durch die Wertschöpfungskette und sehr guten Rücknahmequoten gehören die Schweizer Elektro‑ und Elektronik‑Systeme immer noch zu den besten weltweit.
Alle Producer Responsibility Organisations (PRO) sind mit vergleichbaren Herausforderungen konfrontiert – trotz unterschiedlicher Ausgestaltung. Dies wurde auch dieses Jahr an der Generalversammlung des WEEE Forums in Malta deutlich. Das WEEE Forum als internationale Non-Profit-Organisation konzentriert sich auf die Entsorgung und das Recycling von Elektro- und Elektronikaltgeräten. Eine zentrale Erkenntnis zog sich durch die verschiedenen Diskussionen: Der regulatorische Rahmen im Bereich E‑Waste wird zunehmend komplexer, während gleichzeitig die Bedeutung der PROs weiter zunimmt, um die Funktionsfähigkeit der Systeme sicherzustellen.
Tag 1: Präsentation des Swico Innovationsfonds
Vor diesem Hintergrund wurde der Swico Innovationsfonds vorgestellt – als konkrete Antwort auf die vielfältigen Anforderungen, die heute von unterschiedlichen Anspruchsgruppen wie Konsumentinnen und Konsumenten, Regulatoren und der Zivilgesellschaft an Recyclingsysteme gestellt werden.
Der Fonds dient dazu, gezielt Projekte zu fördern, die neue Lösungen in das System einbringen. Das Spektrum reicht von innovativen Recyclingtechnologien bis hin zu neuen Geschäftsmodellen im Bereich Wiederverwendung (Reuse). Durch diese gezielten Investitionen kann die nachhaltige Weiterentwicklung des Systems aktiv gesteuert werden.
Das grosse Interesse der europäischen Partner hat gezeigt, dass solche Instrumente zunehmend an Bedeutung gewinnen. Innovationsfonds werden als zentraler Hebel verstanden, um die Lücke zwischen regulatorischen Anforderungen und praktischer Umsetzung zu schliessen. Der Swico Innovationsfonds ist ein Beispiel dafür, wie PROs über reine Compliance hinaus zur Weiterentwicklung der Branche beitragen können.
Die Rolle der PROs wird gleichzeitig wichtiger und anspruchsvoller.
Auch andere operative Themen lieferten wertvolle Einblicke. So wurde in Italien eine spezifische Risikoanalyse-Methodik zur Brandprävention in WEEE-Strömen vorgestellt, die bereits fester Bestandteil von Ausschreibungen für Recyclingunternehmen ist und die wachsende Bedeutung systematischer Präventionsansätze unterstreicht. Zudem wurden Erfahrungen mit Reuse-Vorgaben in Spanien diskutiert: Die präsentierten Projekte zeigen, dass das grösste Potenzial insbesondere im B2B-Bereich sowie bei vorgelagerten Rücknahmestellen – etwa im Handel – liegt. Darüber hinaus wurden erste Erkenntnisse im Umgang mit unverkaufter Ware präsentiert.
Tag 2: Politische Themen und steigender Compliance-Druck
Am zweiten Tag verlagerte sich der Fokus auf politische und regulatorische Entwicklungen. Dabei wurde ein klarer Trend sichtbar: der zunehmende Druck auf Hersteller, sowohl Recycling- als auch teilweise Reuse-Ziele zu erfüllen.
Dieser Druck ist nicht nur politischer Natur, sondern zunehmend auch finanzieller. Diskutiert wurde unter anderem auch die von der EU vorgeschlagene E-Waste-Steuer von bis zu 2000 Euro pro Tonne für nicht erreichte Sammelmengen.
Solche Massnahmen verdeutlichen den wachsenden Willen der Regulatoren, die Einhaltung der Vorgaben konsequent durchzusetzen und bestehende Lücken zu schliessen.
Gleichzeitig werfen diese Entwicklungen zentrale Fragen auf – insbesondere hinsichtlich Umsetzbarkeit, Fairness und der Rolle der PROs. Diese stehen häufig in der Verantwortung, Zielerreichung sicherzustellen, ohne sämtliche Einflussfaktoren direkt steuern zu können. Dies stärkt ihre Rolle als Koordinatoren, Enabler und Systemintegratoren zusätzlich.
Aus Schweizer Perspektive werden diese Entwicklungen aufmerksam beobachtet, insbesondere im Hinblick auf die zunehmenden Anforderungen an Reporting und Transparenz in bereits gut funktionierenden Systemen.
Fazit und Ausblick
Die Diskussionen an der diesjährigen Generalversammlung machen deutlich: Die Rolle der PROs wird gleichzeitig wichtiger und anspruchsvoller.
Angesichts steigender regulatorischer Anforderungen und wachsender Erwartungen müssen sich PROs kontinuierlich weiterentwickeln, um leistungsfähige und effiziente Systeme sicherzustellen und Hersteller bestmöglich zu unterstützen.
Ein zentraler strategischer Schwerpunkt liegt dabei auf der besseren Nutzung der sogenannten Urban Mine. Elektroaltgeräte stellen eine bedeutende Quelle für kritische Rohstoffe dar, deren Potenzial bislang nur teilweise ausgeschöpft wird.
Um dieses Potenzial zu erschliessen, braucht es effiziente Systeme, Innovation, Zusammenarbeit und geeignete regulatorische Rahmenbedingungen.
Instrumente wie der Swico Innovationsfonds leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Sie ermöglichen es, neue Lösungen gezielt zu fördern und umzusetzen – und damit den Schritt zu gehen: von der Herausforderung hin zu nachhaltigem Wandel.