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Sibylle Peuker, User Experience Architect bei Zeix, brennt für IT …

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Lovey Wymann

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... weil sie davon überzeugt ist, dass man mit User-Centered Design die Menschen glücklicher und gesünder machen und sogar Leben retten kann.

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Sibylle Peuker hat ursprünglich Mathematik studiert und dann, als sie feststellte, dass man sich darüber mit kaum jemandem unterhalten kann, in Informatik promoviert. Dieses Wissen hat sie, zusammen mit ihrem Mann, in Australien zum Beispiel bei der Risikoanalyse von Zugsunfällen eingesetzt. Dabei war oft der Mensch der grösste «Risikofaktor». Es kam ihr komisch vor, dass das User Interface für den Lokführer in der Analyse gar keine Rolle spielte:

Was sieht ein Lokführer normalerweise? Was bei einem bestimmten Notfall? Und wie könnte das verändert werden, um beispielsweise kognitive Übermüdung oder Überlastung zu verhindern?

Das war Sibylles Einstieg in die Welt der User Interfaces. User-Centered Design war damals noch kein Begriff, aber es zeigte sich, dass die Unfälle wegen «menschlichen Versagens» verringert werden konnten, wenn man die Bedienung des Geräts optimierte. Damals hiess dieses Fachgebiet noch Software Ergonomics oder Human Factors.

Heute ist es fast selbstverständlich, dass man sich auch um die User Experience kümmert, besonders darum, dass das neue Produkt möglichst einfach zu benutzen ist. Um das zu erreichen, muss man zuerst einmal verstehen, wer genau das Produkt benutzt und wozu. Erst dann kann man eine Lösung finden, die einfach und selbsterklärend ist. Dabei muss man oft sehr komplexe Abläufe und Bedürfnisse verstehen und dann diese Komplexität auf eine verständliche Anzeige herunterbrechen.

Dafür braucht es aus Sicht von Sibylle Peuker verschiedene Eigenschaften: 

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Neugierde, Interesse an anderen Menschen, Begeisterungsfähigkeit und eine gute Portion gesunder Menschenverstand sind ideale Voraussetzungen für User-Centered Design

Sibylle Peuker User Experience Architect, Zeix

Was sich bei ihr beispielsweise so zeigt, dass sie sich drei Tage in ein Callcenter setzt, um am eigenen Leib zu erfahren, wie die Angestellten dort mit der Software arbeiten (und welche Workarounds sie erfinden müssen, um gut arbeiten zu können). Oder einen Tag lang einem Postboten auf dem Moped hinterherfährt, um zu erfahren, wie genau er seinen Scanner einsetzt. Klingt jetzt nicht nach dem typischen IT-Nerd, oder? 

Sibylle lacht. Und präzisiert: «Wer sich, wie ich, damit beschäftigt, Software, Apps, Webseiten oder andere digitale Interfaces benutzerfreundlicher zu gestalten, muss keine Zeile Code schreiben können. Ein gewisses Technologieverständnis hilft zwar, um die Hintergründe und Zusammenhänge zu verstehen - aber viel wichtiger ist, dass man versteht, was die Person, die die Software oder Website benutzt, genau braucht oder sucht. Für Usability Tests bauen wir dann Prototypen und Visualisierungen, die zwar oft täuschend echt aussehen, aber eben noch nicht programmiert sind.»

Durch die zunehmende Automatisierung werde ihre Arbeit immer wichtiger, sagt Sibylle: 

Früher konnten Menschen, die mit Bankomat oder Ticketautomat nicht zurechtkamen, einen Schalter aufsuchen – doch die fallen immer öfter völlig weg. Andererseits versucht man bei vielen Geräten die Benutzung immer einfacher zu machen, z.B. mit Spracheingabe. Vielleicht haben wir in wenigen Jahren gar keine Bedienfelder mehr? Wir sagen einfach Alexa, dass sie unsere Ming-Vase versichern soll? Oder bitten das Auto, sich selber versichern zu lassen? Wird Künstliche Intelligenz User Experience Architects nicht überflüssig machen?

Sibylle Peuker verneint energisch:

«Jemand muss ja die «Selbstbedienungsprozesse» designen, die hinter solchen Spracheingaben stehen. Und sicherstellen, dass die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine reibungslos klappt. Was neben technologischen und emotionalen Fragen auch viel mit Ethik zu tun hat. Damit die Menschen Vertrauen in die virtuellen Assistenten haben – sei dies beim Arzt, in der Personalabteilung oder bei selbstfahrenden Autos – müssen sie verstehen, wie diese arbeiten, wo ihre Grenzen sind und wo sie gegebenen Falles vom bedienenden Menschen übersteuert werden müssen.» Laut Sibylle Peuker ist es dabei besonders wichtig herauszufinden, welche Menschen man (oft unabsichtlich) ausschliesst und dann andere Wege für diese Menschen zu ermöglichen. Eine Person mit einer Sprachbeeinträchtigung kann zum Beispiel die Spracheingabe nicht benutzen.

Würde Sibylle Mädchen oder jungen Frauen ihren Beruf empfehlen?  

Eigentlich bräuchten wir die Frage gar nicht zu stellen. Ihre Begeisterung ist während des ganzen Interviews spürbar. Und bei ihrer Arbeitgeberin, Zeix, arbeiten fast 50 Prozent Frauen - massiv mehr als sonst in IT-Firmen. «Meine Arbeit verlangt Kollaborations- und Kommunikations-Skills, was viele Frauen anspricht», kommentiert sie diesen Umstand. Etwas enttäuschend ist aber auch für sie, dass das Bild bei den zahlreichen Vorlesungen, die sie gibt, oft ein anderes ist: «Im Informatik-Studium sind in einer Vorlesung mit 40 Studierenden oft nur 3 oder 4 Frauen.»

Hoffen wir, dass wir mit diesem Porträt die eine oder andere Frau neugierig machen und das IT-Feuer weitergeben können!

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