Swico GV 2026: «Digitalpolitik ist Standortpolitik»
Die digitale Transformation des Wirtschaftsstandorts Schweiz, der rasante Fortschritt künstlicher Intelligenz und die Neuwahl von Remo Noser in den Vorstand: Das waren die wichtigsten Themen an der Generalversammlung 2026 des Wirtschaftsverbands Swico.
Den Auftakt machte Präsident Adrian Müller. Künstliche Intelligenz verändere nicht nur einzelne Prozesse, sondern greife tief in Wissensarbeit, Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten ein. Der weltweite KI‑Boom treibe massive Investitionen in Rechenzentren voran – und verschärfe gleichzeitig Engpässe in der Chip-Industrie. Steigende Kosten und wachsende Unsicherheit sind die Folge.
In diesem Umfeld sei Swico als Stimme der ICT- und Online-Branche, als Orientierungsgeberin und konstruktive Partnerin im politischen Dialog umso wichtiger, sagte Adrian Müller. Mit Blick auf die Abstimmung vom 14. Juni über die 10 Millionen Schweiz betonte der Präsident, dass die Schweiz keine Insel sei. Die Digitalwirtschaft sei auf stabile Rahmenbedingungen angewiesen. Darum lehnt der Verband die Initiative entschieden ab.
Digitalpolitik ist Standortpolitik
Jon Fanzun, CEO von Swico, nahm eine Standortbestimmung vor: Er sieht den Verband solide aufgestellt. Im Zentrum der Verbandsarbeit stehe der konkrete Nutzen für die Mitglieder in Form der Vernetzung in den Fachgremien und an Veranstaltungen, die Rechtsberatung, die Arbeitssicherheit sowie die politische Interessenvertretung.
Laut Fanzun sind digitale Themen wie künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Cloud, Datenpolitik und digitale Souveränität keine Randthemen mehr, sondern im Zentrum der gesellschaftlichen Debatte angekommen. «Wer heute über Standortpolitik spricht, spricht auch über Digitalpolitik», sagte Fanzun. Digitalpolitische Themen entscheiden zunehmend über die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Unternehmen siedeln sich dort an, wo sie leistungsfähige Netze, verlässliche Rechenzentren, Zugang zu Cloud- und KI-Infrastruktur, genügend digitale Fachkräfte und klare Regeln finden. Wer Digitalpolitik ernst nehme, schaffe Voraussetzungen für Investitionen, Innovation und Arbeitsplätze.
Jon Fanzun zeigte sich aber auch besorgt über die Tendenz, Schweizer Sonderregeln einzuführen, die dem Innovationsstandort schaden. Das zeigt sich bei aktuellen politischen Geschäften wie etwa der KI-Regulierung oder der Revision der VÜPF (Verordnung zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs). Swico werde sich hier konsequent wehren und für den Digitalstandort einsetzen.
Erfolgsgeschichte Swico Recycling
Seit über 30 Jahren ist Swico Recycling eine Erfolgsgeschichte und beispielhaft für eine funktionierende, nachhaltige und effiziente Branchenorganisation. 2025 wurden über 40’000 Tonnen Elektroschrott verarbeitet, die Zahl der gesammelten Geräte stieg auf 11,7 Millionen. Das sind rund viereinhalb Kilogramm pro Einwohnerin und Einwohner der Schweiz oder mehr als 32’000 Geräte pro Tag. Eine Herausforderung für das System sind laut Jon Fanzun die Trittbrettfahrer sowie die aktuellen Regulierungsideen aus Bern.
Remo Noser neu im Vorstand
Die Generalversammlung verabschiedete Vorstandsmitglied Andrej Vckovski und dankte ihm für sein langjähriges, engagiertes Wirken. Gleichzeitig wählten die Swico-Mitglieder Remo Noser, CEO der Noser Engineering AG, in das Gremium. Präsident Adrian Müller wurde in seinem Amt bestätigt. Mit der Gesamterneuerungswahl des Vorstands ist das Führungsorgan vollständig besetzt und für zwei Jahre bestätigt.
KI-Standort Schweiz: Top bei Talenten
In seinem Gastreferat ordnete Marcel Salathé vom AI-Center der EPF Lausanne die Entwicklung der künstlichen Intelligenz ein. Mit dem Projekt Apertus verfüge die Schweiz über ein europaweit einzigartiges, vollständig transparentes KI‑Modell aus der Wissenschaft. Das sei wichtig, denn: «Wir stehen am Übergang vom Chatbot‑ ins Agentenzeitalter. KI‑Systeme werden nicht nur intelligenter, sondern auch handlungsfähiger.»
Salathé sieht die Schweiz im internationalen Vergleich gut positioniert, insbesondere, was die Dichte an KI-Forscherinnen und -Ingenieuren angeht. Mit vielen gut ausgebildeten Talenten gehören wir zu den wenigen Ländern, die mit den USA mithalten können. Gleichzeitig bestehen Engpässe bei Rechenkapazität, Energie und Datenzugang. Diese Faktoren werden jedoch zunehmend entscheidend dafür, ob die Schweiz ihre starke Forschungsbasis langfristig in wirtschaftliche und gesellschaftliche Wirkung überführen kann.